Palm Beach – Canberra
Vom hübschen Palm Beach führte uns unsere nächste Etappe zunächst wenig spektakulär ins Landesinnere nach Canberra. Die gut vierstündige Fahrt verlief durch Sydney und dann eintönig dem Hume Highway entlang. Einen kurzen Stopp legten wir am Lake George und auch an der Tankstelle zur Reinigung der bräunlichen Staubschicht auf der Frontscheibe ein.
Abends fuhren wir auf den 846 m hohen Mt. Ainslie und genossen den Ausblick über die mit gelben Blüten übersäten Felder und die Hauptstadt. Blühend zeigte sich in Canberra unglücklicherweise auch Pascal’s Heuschnupfen.
Canberra
Die zwischen Sydney und Melbourne gelegene australische Hauptstadt Canberra wurde erst 1901 konzipiert und überzeugt primär durch seine geometrische Anordnung der Regierungs- und Forschungsgebäude. Aber auch in Canberra sind Grünbepflanzungen und Fussgängerwege eher eine Seltenheit, sodass der Weg in die Stadt entlang der Hauptstrasse bei gefühlten 35 Grad eine hitzige Angelegenheit war. Immerhin war diesmal das Lösen einer Tageskarte für den ÖV problemlos möglich.
Der heutige Tourguide (Pascal) führte die leicht überhitze Jessi mit seiner App zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt und wusste stets die Stimmung mit einem historischen Fakt zu lockern. Die Tour startete am Commonwealth Platz, führte zum High Court und dem Questacon (australisches Technorama).
Weiter ging es zum King George Memorial, dem alten Parlament und zuletzt durch die Sicherheitskontrollen des riesigen modernen Parlaments, um dort die weitläufige Terrasse besichtigen zu können. Die Aussicht auf die Stadt war jedoch im Vergleich zum Berg Ainslie nicht speziell atemberaubend und schnell verinnerlicht bei den hohen Temperaturen.
Canberra – Lake Entrance
Von Canberra aus führte uns eine ca. 6.5-stündige Autobahnfahrt ganz in den Süden des Landes nach Lake Entrance. Faszinierend war die sich immer wieder verändernde Landschaft um uns herum – die Tierekadaver und Überbleibsel der Waldbrände stimmte uns jedoch traurig.
Einen Stopp legten wir am Bombola River in einem Platypus Schutzgebiet ein, bevor es auf den gratis Campingplatz des Kalimna Hotels mit fantastischem Ausblick ging. In der angrenzenden Bar trafen wir auf den gesprächigen und unterhaltsamen Nikki, welcher uns mit viel Begeisterung die australische Kultur und lokalen Gepflogenheiten näher brachte. Später gesellten sich auch seine Frau und sein Sohn dazu und wir genossen das Abendessen in guter Gesellschaft. Leicht alkoholisiert und dankbar um die vielen Reisetipps, ging es dann ins Bett.
Lake Entrance – Toora
Weiter ging unsere Reise nach Toora, einer wohl eher unbekannten Ortschaft mit vielen Windrädern gut drei Autostunden westlich von Lake Entrance. Mit der Absicht den National Park am darauffolgenden Tag zu besuchen, entschlossen wir uns den restlichen Tag etwas entspannter anzugehen. Doch ganz ohne etwas zu sehen konnten wir diese Gegend nicht verlassen, weshalb wir uns auf zum Agnes Wasserfall machten. Am Abend liessen wir den Tag bei Popcorn und Bier Revue passieren.
Toora – Phillip Island
Es war soweit – der 24. Dezember stand vor der Tür und somit Heiligabend.
Ein Besuch im Wilson Promonory National Park wurde uns von Nikki und seiner Frau sehr ans Herz gelegt. Glücklicherweise lag dieser auf unserer Route und erforderte lediglich einen Abstecher von gut einer Stunde. Camping Gelegenheiten in diesem Park zu Weihnachten sind sehr begehrt und werden jährlich nach einem Losverfahren vergeben. Deshalb gab es für uns nur die Option eines Tagestrips. Nach dem Abbiegen von der Hauptstrecke merkte man schnell, dass man der Natur näher kommt: Dutzende Warnschilder die auf Wildtiere aufmerksam machten, reduzierte Höchstgeschwindigkeit und definitiv kein Mobilfunkempfang.
Um die Natur des Nationalparks zu erleben und die Aussicht zu geniessen, entschieden wir uns für eine Wanderung auf den zentral gelegenen Mount Bishop. Der Pfad startete vom Lilly Pilly Gully Carpark (bester Name) und wir benötigten gut 2.5 Stunden den “Gipfel” zu erreichen. Der Weihnachtstag in einem warmem Klima ohne die Familie zu verbringen war für uns beide aussergewöhnlich.
Auf unserem Weg zurück aus dem Nationalpark entschlossen wir uns etwas zögerlich einen Halt einzulegen. Auf dem Schild hiess es:”Prom Wildlife Walk”. Wegen den vielen Besuchern und der ungünstigen Tageszeit waren wir uns ziemlich sicher keine Wildtiere anzutreffen – aber was schadets einen Blick zu riskieren? Nach einigen Schritten fanden wir eine kleine Abzweigung, welche uns auf eine grosse weite Steppe führte. Als wir uns schon fast wieder auf dem Rückweg befanden, hörten wir ein Rascheln …. und tatsächlich sichteten wir zwei wollige Wombats unter dem Gebüsch☺️! Etwas weiter auf unserem Weg machten wir dank Jessi’s Spurenlese-Kenntnissen auch noch Bekanntschaft mit einem Emu (kleiner Bruder vom Strauss), welchen wir auf den ersten Blick für ein gross gewachsenes Känguru hielten.
Unsere vorletzte Campsite war südlich von Melbourne auf der Urlaubsdestination Phillip Island gelegen. Die Ankunft an Heiligabend war mit der Weihnachtsdekoration und der Festlaune der Besucher war sehr einzigartig. Auch die Weihnachtsmänner der Feuerwehr waren mit dekorierten Feuerlöschfahrzeugen vor Ort und erfreuten Jung und Alt.
Phillip Island
Am 25. Dezember hiess es erstmals ausschlafen, das sonnige Wetter geniessen und ausgedehnt Frühstücken.
Im Verlauf des Morgens ging es dann zum Woolamai Surf Beach ganz im Westen der kleinen Insel. Wir wurden bereits beim Campingplatz über die extremen Wellen und Meeresströmungen vorgewarnt, waren dann aber doch über die tückischen Bedingungen überrascht.
Wagemutige Surfer (vermutlich mit einer ausgeprägt hohen Frustrationstoleranz) versuchten die Riesenwellen mehr oder minder erfolgreich zu bezwingen.
Penguin Parade
Anlässlich Pascal’s erfolgreich bestandenen Defense (wuuhpp wuuhpp 🎓🎉) schenkte ihm sein Team aus dem Labor ein sehr bedachtes und grosszügiges Geschenk. Weil sie wussten, dass unsere Reise nach Australien gehen wird und er im Zoo stets grosse Freude an den Pinguinen fand, überraschten sie uns mit einem Besuch bei der Penguin Parade im Süden Australiens.
Am Abend war es dann soweit, wir machten uns auf den Weg zum Naturschutzgebiet der Zwergpinguine (mit ihren ca. 30 cm die kleinste Spezies der Welt). Kurz vor Sonnenuntergang versammelten wir uns in einer grossen und mit Menschen gefluteten Empfangshalle. Was wir nicht wussten, war dass wir eine Art geführte Tour mit Wildlife Ranger gebucht hatten und abseits der grossen Massen sein werden. Ausgerüstet mit einem Funkheadset und einem Feldstecher ging es dann los zum Strand. Die junge Gruppenleiterin machte einen guten Job und zeigte uns bereits vor der Dämmerung einige Tiere (Wallabies, besondere Gänse, etc.). Wir hatten besonderes Glück und trafen noch vor Sonnenuntergang und dem generellen Foto- und Filmverbot einige süsse Pinguine und ihre Babys an.
Am Strand befand sich eine Art Tribüne auf welcher wir inmitten der Pinguinwege Platz nehmen konnten. Dies ist besonders, da die Pinguine nach einigen Tagen oder Wochen auf der Jagd zurück ans Land kommen und den gefährlichen Weg zwischen Meer und Bau zurücklegen. Dabei nehmen sie ihr ganzes Leben lang den gleichen Pfad!
An dieser Stelle nochmals ein riesen Dankeschön an das ganze Labor 312 🤗.
Phillip Island – Port Campbell
Die letzte Etappe auf unserer mehr als 6’500 km (oder auch korrekterweise 6.5 Mm) langen Reise war die Great Ocean Road westlich von Melbourne bis Port Campbell. Auf unserer gut fünfstündigen Fahrt entlang der südlichen Küste gab es zahlreiche Aussichtspunkte und Möglichkeiten anzuhalten und den Anblick zu geniessen. Die Strecke erinnerte an eine kurvenreiche Passstrasse mit dem Meer zu unserer Linken.
Einer unserer ersten Stopps legten wir bei Kennett River neben dem Kafe Koala ein. Wie es der Name des Bistros ahnen liess (und auch auf zahlreichen Medien zu lesen war), wurden hier bereits öfters freilebende Koalas gesichtet. Ohne grosse Hoffnung einen wilden Koala ausgerechnet hier zu sehen (nach unseren Bemühungen durch halb Australien), machten wir uns zu Fuss auf Erkundungstour. Nach wenigen Minuten in der brütenden Hitze traffen wir tatsächlich einen grossen halbverschlafenen Wollkneul auf Augenhöhe an! Auch beim Blick in die benachbarten Baumkronen fanden wir zu unserem Erstaunen noch den einen oder anderen schlafenden Koala.
Weiter ging es nach Westen und wir traffen bei den berühmten Zwölf Aposteln ein. Doch bereits auf der Landstrasse ahnten wir, dass wir hier nicht alleine sein werden. Das Tempolimit auf 40 km/h beschränkt und beidseitige Absperrungen um “Wildparker” zu verhindern. Ohne fuchtelnde Verkehrslotsen ging hier nix!
Dies war wohl die falsche Uhrzeit, weswegen wir uns nach wenigen Minuten auf den Weg zum Campingplatz machten, um am nächsten Tag unser Glück erneut zu versuchen.
Port Campbell – Melbourne
Erstaunlicherweise ging dieser Plan auf und wir konnten die Felsformationen in Ruhe aus unterschiedlichen Perspektiven bei Sonnenaufgang bestaunen.
Fertig war das Sightseeing und wir mussten nochmals auf den Campingplatz unseren Camper auf- / ausräumen (zum Glück hatten wir die Option Quick-Drop gewählt, was die Abgabe deutlich einfacher gestaltete). Traurig fuhren wie die letzte Strecke bis nach Melbourne, wo wir unseren Camper bei unkompliziert abgeben konnte. Unsere Weiterreise ging nun zu Fuss bei knapp 40 Grad weiter 🥵.
Melbourne
Die letzten vier Tage in Australien liessen wir entspannt und genussvoll in Melbourne ausklingen. Mit unserer zentralen Unterkunft nahe des Bahnhofs und dem gratis Tramnetz (zumindest der Kern der Stadt), liess sich die Stadt einfach erkunden. Ausserdem gefiel uns die Stadt mit den vielfältigen Bars/Restaurants und der entspannten Atmosphäre richtig gut! Spannende Tipps erhielten wir auch hierzu im Rahmen der gebuchten Free Walking Tour.
Nebst den kulinarischen Highlights und den leckeren Brekkis gings erstmal ins Shoppingcenter (einige Shirts waren schon sehr mitgenommen) und für Pascal zum Beauty-Programm – einem hipstrigen Coiffeur nahe der lebhaften Frühstücksmeile.
Da Melbourne besonders für seine Streetart bekannt ist, schlichen wir uns durch die Gässchen auf Entdeckungstour und sichteten das eine oder andere Kunstwerk. Per Zufall stiessen wir auf unseren Lieblingskünstler, welcher gerade eines seiner Kunstwerke auffrischte.
Am letzten Tag unternahmen wir noch einen Abstecher zum lebhaften und etwas alternativen Vorort Fitzroy, welcher für seinen ungezwungenen und künstlerischen Lebensstil bekannt ist.
… und schon hiess es Rucksäcke packen und auf zum Flughafen. Die Zeit verging wie im Flug – Australien war von Cairns bis Melbourne einfach nur traumhaft und wir würden uns freuen, diesen besonderen Kontinent erneut zu besuchen!