Unterwegs auf unserer Reise durch Südostasien waren wir auf der Suche nach einer Möglichkeit die einheimische Kultur besser kennenzulernen und gleichzeitig einen sinnvollen Beitrag zu leisten. So stiessen wir auf Andar’s volunteer Homestay. Das Projekt versprach eine einfache Unterkunft in einem abgelegenen indonesischen Dorf. Da Kost & Logie praktisch gratis waren, wurde dafür der spielerische Austausch mit den Kids und tägliche eine ca. 30 bis 45 minütige Englischlektion gewünscht.
Anreise
Mit zunehemender Distanz zum Hotel verabschiedeten wir uns von einer ordentlichen Strasse und der uns bekannten Zivilisation. Über eine Schotterstrasse (mit unzähligen Strassenlöchern und streunenden Hunden) führte uns ein holpriger Weg immer tiefer in die Sekotong Barat Region hinein. Unser quirliger und höchst engagierter Fahrer versicherte sich mehrere Male, ob dies wirklich unsere Enddestination sei. Er meinte etwas besorgt: ,,Dies ist womöglich nicht so ein guter Homestay”.
Bei unserer Ankunft sass das halbe Dorf in einem schattigen Plätzchen um uns zu empfangen. Der sympathische Gastgeber Andar kam mit einem Lächeln auf uns zu und begrüsste uns herzlich. Er half uns unser Gepäck zu verstauen und bot uns warme Bananenfritters und einen Tee an. Er stellte uns seine Frau Hikmah sowie die 3-jährige Tochter Nuwaira und ihren Sohn Gibran vor. Während des gesamten Aufenthaltes verwöhnte uns die eher schüchterne Hikmah mit abwechslungsreichen traditionellen Speisen aus der Region.
Unterkunft
Unsere Unterkunft war ein von Andar selbst gebautes Betonhäuschen. Im Hauptzimmer befand sich auf dem Boden eine Matratze, zudem gab es ein ,,Badezimmer” mit einem Klo und einer gartenschlauchähnlichen Vorrichtung, was als Lavabo/Dusche diente. Die Unterkunft verfügte über Strom und zwei kleine Lichtquellen. Netterweise gab es auch einen Ventilator – ansonsten hätten wir die 35 Grad Nächte wohl kaum überstanden.
Generell waren die Nächte wenig erholsam, da es oft nach Kloake stank und Pascal die irrsinnig schnellen Riesenkakerlaken beseitigen musste (Jessi mit dem Kopf direkt neben dem Bad hätte sonst keine Auge zugetan). Dazu kam, dass das salzige Wasser aus der ,,Dusche” in Kombination mit der Sonnencreme, dem Mückenschutz und dem Schweiss schon fast eine Art Okklusivverband bildete – yummmy…
Die andere Seite des Häuschens teilten sich die liebe Zoe und Constance, welche ebenfalls für einige Tage im Dorf unterrichteten und unseren Alltag etwas abwechslungsreicher gestalteten.
Ausserhalb der Unterkunft verbrachten wie die meiste Zeit direkt vor dem Häuschen oder auf dem hölzernen Unterschlupf spielend auf dem Boden. Stühle, Tische oder Kissen gibt es in diesen Dörfern nicht. Beim Hinsetzen muss man sich darauf achten, dass man weder in Hühner- noch Entenkacke sitzt, da die Tiere dort frei herumrennen. Besonders wertvoll für die Dorfbewohner sind allerdings ihre Ziegen, welche oft eine Art finanzielle Absicherung für schwierige Zeiten sind.
Rundgang durch’s Dorf
Gleich an unserem ersten Tag wünschten sich die Kids ans Meer zu gehen um mit uns im Wasser und am Strand zu spielen. Von dort aus nahm uns Andar mit auf einen kleinen Rundgang entlang der Küste. Vorbei an grossen Lavasteinen führte er uns zu einem Hindu Tempel und machte uns auf so manchen tierischen Inselbewohner aufmerksam (es gab unzählige Krabben und Meeresschnecken). Der Tempel war an einer imposanten Klippe gelegen und ein schmaler Pfad brachte uns wieder ans Wasser, vorbei an den Fischern die gerade mit ihrem Fang ans Ufer zurückkehrten. Hindurch zwischen dornigen Sträuchern ging es steil auf einen Hügel (top ausgerüstet mit Flip-Flops auf einem etwas rutschigen Weg) mit einer romantischen Wiese, die einlud das Meer und den Sonnenuntergang zu geniessen.
Besuch der Nachbarinseln
Andar war hellauf begeistert als wir von unseren Schnorchelausflügen erzählten und er bestand darauf uns die Korallenriffe vor unserer Haustüre zu zeigen. Morgens gleich nach dem Frühstück ging es bei Ebbe los. Unsere Taschen und Wasserflaschen platzierten wir bei einem Baum und ab ging es.
Nachdem wir das seichte Wasser mit den unzähligen Seesternen passiert hatten ging es weit in die Tiefe und man sah nur noch das dunkle Nichts. Zum Glück waren es nur wenige Hundert Meter zur Nachbarsinsel Gili Sudak, welche wir nach einigen Minuten schwimmen erreichten. Unweit vom Strand der Nachbarinsel entfernt befand sich ein farbenfrohes und von vielen Fischen besiedeltes Korallenriff. Neben den üblichen Verdächtigen trafen wir hier einige Messerfische, einen Pufferfisch und einen nicht identifizierbaren schwarz-weiss gepunkteten Fisch an.
Bevor wir uns auf zu Gili Kedis machten, hielten wir eine kurze Pause am Strand von Gili Sudak, wobei wir beim ans Land gehen einer Laticauda colubrina begegneten (was uns ein etwas mulmiges Bauchgefühl gab). Nachdem wir uns vor dem Schreck erholt und unserer Muskeln gelockert hatten ging es nun weiter Richtung Gili Kedis. Die Überquerung dauerte dieses Mal deutlich länger und wir schwammen ca. 10-15 Minuten nahe an den auf dem Wasser treibenden Fischerhütten vorbei. Unsere Mühe wurde gleich belohnt, die super kleine Insel war menschenleer! Ausser einigen Palmen, weissem Sand und dem obligaten Abfall war nichts zu sehen. Wir entspannten uns im Schatten einer Palme und machten uns dann auch schon bald auf den Rückweg. Bevor die Ebbe wieder der Flut wich und die Strömung zu sehr zunahm, erreichten wir durch Schlamm watend unseren Ausgangsort. Andar rannte gleich beim Erreichen von Lombok fluchtartig davon – später erfuhren wir, dass er beinahe seinen Zahnarzttermin zum Entfernen eines Weisheitszahns verpasst hätte.
“Unterricht”
Die Vorbereitung und Auswahl der Themen für die Nachmittage bereiteten Pascal im Vorfeld etwas Kopfzerbrechen. Jedoch zeigte sich die Malstunde in unserer letzten Unterkunft als sehr praktisch. Als erstes lernten wir mit den Kids verschiedene Körperteile und erkundeten was sie bereits kannten. Ihr Wortschatz war überraschend gross und auch den Klassiker “Head, Shoulders, Knees and Toes, Knees and Toes” kannten sie in und auswendig 😉.
Um die neuen Wörter spielerisch zu verinnerlichen, zeigten wir ihnen unser selbst gebasteltes Memory (doch auch hier gab es den einen oder anderen cheeky cheater). Zu unser Verwunderung mochten sie unser Memory Spiel sehr und fragten auch hin und wieder ausserhalb der Klasse ob wir statt UNO nicht Memory spielen könnten.
Die Klasse startete meist wenn eine handvoll Kids sich vor unserem Zimmer versammelte und beschlossen, dass es nun Zeit war etwas zu lernen. Auf die gleiche Art endete die Lektion auch, wenn die Mehrheit der Kinder lieber an den Strand wollte.
Spiel und Spass
Das virale Spiel namens Lato-Lato begrüsste uns auch in diesem Ecken Indonesiens. Ziel des Geschicklichkeitsspieles ist es, die zwei an einer Schnur befestigten Plastikkugeln so schnell (und laut) wie möglich zu bewegen. Die Kinder lieben dieses Spiel und wir versuchten unser Glück. Hier ist allerdings eine grosse Portion Geschick notwendig!
Die meiste Zeit verbrachten wir spielend mit den Kids. Ihr Favorit war mit Abstand UNO, sie liebten diesen Spieleklassiker. Man musste stets auf der Hut sein, da mancher Spieler die Regeln nicht so genau nahm und auch mal die Karten zinkte oder unbeobachtet verschwinden liess.
Zu unserer Verwunderung hatten sie auch ein Set Skip-Bo, welches sie zuvor von anderen Freiwilligen aus der Schweiz erhielten.
Oft hatten die Kids auch einen riesigen Bewegungsdrang, was für uns mit den hohen Temperaturen eine Herausforderung war 🥵.
Doch meistens ging es nach der Lektion an den Strand um im Wasser herumzutollen oder Slaughter (eine Art Fangen) zu spielen. Auf dem Weg wurden oft frische Früchte (z.B. Sirsak / Guave) gepflückt, untereinander geteilt und genüsslich verspiesen. Im Anschluss spielten die Kids mit Andar Fussball, wobei dies vorwiegend den Jungs vorbehalten war.
Die Zeit im Westen von Lombok mit den süssen Kids und ihrem herzhaften Lachen, der grenzenlosen Gastfreundschaft Andar’s und die sinnlichen Momente in der Natur werden uns bestimmt lange in Erinnerung bleiben 🥰